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11 Erkenntnisse aus dem Digital News Report 2024

von Franziska Bluhm am 19.06.2024

Jedes Jahr gibt der "Digital News Report" des renommierten Reuters Institute for the Study of Journalism einen Überblick darüber, wie Nachrichten auf der ganzen Welt konsumiert werden, welche Herausforderungen Medienmacher*innen meistern müssen und was das für ihr Geschäftsmodell bedeutet. Gleichzeitig hat das Hans-Bredow-Institut den Blick auf den deutschen Markt noch einmal ausführlicher beleuchtet, als das in dem internationalen Report gemacht werden konnte. Meine Zusammenfassung in 11 Erkenntnissen - und worüber Medienmacher*innen jetzt nachdenken sollten. 

1. Nachrichteninteresse bleibt konstant und erfolgt am liebsten digital.

Das Interesse für Nachrichten bleibt konstant: 55 Prozent der erwachsenen Internetnutzer*innen sagen, dass sie sich überaus oder sehr für Nachrichten interessieren. (2023: 52 Prozent). Einmal pro Woche lesen, hören oder schauen 89 Prozent Nachrichten. Die Nutzung erfolgt über digitale Nachrichtenangebote oder soziale Medien (69 Prozent), klassisches lineares Fernsehen (60 Prozent).  

Schaut man in die Details der digitalen Nutzung, dann liegt die Nutzung von Nachrichten in sozialen Medien gerade in den jüngeren Zielgruppen vorn. 

Folgerung: Wer online mit Nachrichten Zielgruppen erreichen will, braucht eine Social-Media-Strategie. 

2. Wer Nachrichten sucht, geht auf eine Website. Noch.

In Deutschland ist der wichtigste Zugang zu Online-Nachrichten immer noch direkt über Webseiten oder Apps von Nachrichtenangeboten (32 Prozent) oder Suchmaschinen (29 Prozent). 

Aber. 

Befragte zwischen 18 und 24 Jahren stoßen am ehesten in sozialen Medien auf Nachrichteninhalte (37 Prozent) und 27 Prozent sagen, dass soziale Medien für sie der wichtigste Zugangsweg für Online-Nachrichten sind. 

Aber Teil 2: 

Weltweit betrachtet ist der direkte Zugriff auf Webseiten so niedrig wie noch nie und liegt bei 22 Prozent (Im Vergleich: 2018 lag er noch bei 32 Prozent!). Der wichtigste Weg zu Onlinenachrichten erfolgt weltweit über Suchmaschinen (33 Prozent) und Social Media (29 Prozent).

Folgerung: Wer online mit Nachrichten Zielgruppen erreichen will, braucht neben einer Social-Media- auch eine SEO-Strategie und Anreize für direkte Zugriffe auf die Website.

3. Das Internet ist die Hauptnachrichtenquelle. 

42 Prozent der Befragten in Deutschland sagen, dass das Internet ihre Hauptnachrichtenquelle ist. Das lineare Fernsehen liegt erstmals mit 41 Prozent auf Platz 2. Nur noch 20 Prozent der Menschen nutzen Print, um sich über Nachrichten zu informieren. Was für ein Tiefpunkt. Auch TV sinkt auf den niedrigsten Wert von 60 Prozent. Sowohl Online als auch Social Media liegen nun vor Print. 

Folgerung: Die Zeiten von Tageszeitungen sind gezählt. Wer noch immer nicht auf Online first im Newsroom umgestellt hat, sollte sich sputen.

4. Whatsapp, Youtube und Facebook sind die beliebtesten sozialen Netzwerke in Deutschland. 

Die beliebtesten Netzwerke in Deutschland bleiben WhatsApp, YouTube und Facebook - auch um in Kontakt mit Nachrichten zu kommen (WhatsApp: 15 Prozent, Youtube: 21 Prozent, Facebook: 16 Prozent). Schaut man allerdings in die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, liegen die auf Bewegtbild fokussierten Netzwerke vorn: Instagram (27 Prozent), Youtube (24 Prozent)  und TikTok (13 Prozent).

Folgerung: Wer mit Nachrichten junge Menschen erreichen will, kommt an Instagram und Youtube nicht vorbei.

5. Die Verlagerung von Social-Graph-dominierten Netzwerken hin zu Content-Graph-dominierten Netzwerken verändert die Nachrichtennutzung. 

Fakt ist: Weltweit nimmt die Bedeutung von Content-Graph-dominierten Netzwerken wie Youtube und Tiktok nimmt zu. Das führt dazu, dass Quellen abseits der traditionellen Medienmarken fpr die Menschen wichtiger werden. 

  • X, vormals Twitter, ist das einzige Netzwerk, in dem traditionelle Medienmarken noch vorne liegen, wenn es darum geht, zu sagen, welcher Quelle man in Sachen Nachrichten die Aufmerksamkeit schenkt.
  • Auf allen anderen Netzwerken liegen "Personalities (incl. celebrities and influencers") vorn.
  • Besonders hoch ist der Anteil auf den Plattformen, die vor allem von jungen Menschen genutzt werden.

Folgerung: Welche Inhalte, mit welchem Storytelling und auf welchen Kanälen ist wichtiger denn je. Traditionelle Medienmarken müssen überlegen, ob sie nicht stärker über Persönlichkeiten kommunizieren.

6. Es braucht (mehr) Bewegtbild.

49 Prozent der erwachsenen Internetnutzer:innen in Deutschland schaut mindestens einmal pro Woche ein kurzes Online-Nachrichtenvideo (wenige Minuten oder kürzer). Rund ein Drittel schaut auch mal längere Nachrichtenvideos. Wo: auf Webseiten (26 Prozent) oder Youtube (23 Prozent). 

Klar, dass bei den 18- bis 24-Jährigen Plattformen wie Youtube, Instagram und Tiktok die Nase vorn haben.

Folgerung: Wer mit Nachrichten junge Menschen erreichen will, kommt an Bewegtbild nicht vorbei.

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7. Mehr als zwei Drittel würden nie für Online-Nachrichten bezahlen. 

Die Zahlungsbereitschaft für Online-News liegt bei 13 Prozent. Oder sagen wir es so: Sie ist so niedrig wie immer und schwankt lediglich immer um ein paar Prozent (2023 lag sie bei 11 Prozent, 2022 bei 14 Prozent). Und davon geben 46 Prozent an, dass sie weniger als den vollen monatlichen Preis für ihr Abo bezahlen.

Und es sieht nicht so aus, als ob sich der Anteil derer, die ein Abo abschließen groß ändern wird: 68 Prozent sagen, dass sie niemals zahlen würden.

Folgerung: Es braucht mehr als Nachrichten, dass Menschen digital ein Abo abschließen. 

8. Vertrauen in Nachrichten hat sich stabilisiert.

43 Prozent vertrauen Nachrichten. Die Nachrichtenmarken, die das größte Vertrauen erhalten: Tagesschau, ZDF heute, das regionale oder lokale Nachrichtenmedium.

Nachrichten in sozialen Medien wird tendenziell mit Skepsis begegnet - die Plattformen mit den größten Schwierigkeiten: Tiktok und X, vormals Twitter. 

Folgerung: Für regionale Nachrichtenmedien ist (noch) nix verloren! 

9. Die Deutschen vermeiden immer häufiger Nachrichten.

41 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich von der Menge der verfügbaren Nachrichten erschöpft fühlen. Vor fünf Jahren lag dieser Anteil an Menschen noch bei 26 Prozent. In der jüngsten Altersgruppe liegt der Anteil sogar bei 51 Prozent.

Das Resultat: 14 Prozent der Befragten versuchen aktiv, Nachrichten zu vermeiden; 69 Prozent versuchen dies zumindest gelegentlich. Im Vergleich zum Vorjahr sind beide Anteile um vier Prozentpunkte angestiegen. 

Folgerung: Wenn Medienmarken weiterhin Menschen mit Nachrichten erreichen wollen, braucht es passende Strategien.

10. Bei “Updates” machen Medien einen guten Job.

Hier wird's jetzt etwas Insiderischer, denn seit einigen Jahren beschäftigen sich Medienmacher*innen mit den Bedürfnissen ihrer Zielgruppen, um diese besser anzusprechen. Bereits 2017 hat die BBC dafür das sogenannte User-Needs-Modell entwickelt. Ein hilfreiches Tool, um nutzerorientierter zu publizieren.

Die wichtigsten Bedürfnisse, die die Menschen an Nachrichten in Deutschland befriedigen wollen: Educate me (67 Prozent) und Give me perspective (63 Prozent). Und allgemein stellt der Report fest: "In exploring user needs around news, our data suggest that publishers may be focusing too much on updating people on top news stories and not spending enough time providing different perspectives on issues or reporting stories that can provide a basis for occasional optimism." 

Folgerung: Es braucht ein Mehr an konstruktivem Mindset im Journalismus.

Widerspruch? Unterstützung für Ihre Prozesse? 

11. Die Mehrheit der Menschen fühlt sich nicht wohl, wenn Medien sagen, dass sie künstliche Intelligenz nutzen. 

Das Thema und der Einsatz von künstlicher Intelligenz beschäftigt Internetnutzer*innen.

Eher oder sehr unwohl fühlt sich rund die Hälfte der Befragten, wenn Nachrichten hauptsächlich durch KI mit etwas menschlicher Aufsicht produziert wurden.

Eher oder sehr wohl fühlt sich rund ein Drittel, wenn Nachrichten mit etwas Hilfe von KI, aber hauptsächlich von menschlichen Journalist*innen produziert wurden. 

Jüngere Menschen sind tendenziell offener für die Nutzung von KI-Nachrichten als ältere.

Folgerung: Der Einsatz von künstlicher Intelligenz ist sicherlich ein guter Punkt, um sich branchenintern zu positionieren. Doch in der Kommunikation mit dem Endkunden ist Vorsicht geboten.

Zu den Erkenntnissen aus dem Digital News Report 2023.

Und zu den Erkenntnissen aus dem Digital News Report 2022.

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Über die Autorin

Franziska Bluhm

Franziska Bluhm

Telefon: 0170 – 300 3671

E-Mail: post@franziskabluhm.de

Franziska Bluhm gehört zu den renommiertesten Medien- und Digitalprofis in Deutschland, mit mehr als 18 Jahren Führungserfahrung in unterschiedlichen deutschen Medienunternehmen - über Handelsblatt und WirtschaftsWoche, Rheinische Post und BILD. Sie unterstützt und begleitet Unternehmen und Redaktionen, gibt Trainings und Coachings, moderiert und hält Vorträge.

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