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Was Unternehmen von neun Jahren Ein-Frau-Newsletter lernen können
von Franziska Bluhm am 15.04.2026

Ich schreibe seit neun Jahren einen Newsletter. Allein. Ohne zusätzliche Redaktion. Nur ich. Dabei habe ich in den vergangenen Jahren jede Menge Erkenntnisse gesammelt – aus Erfahrung, Beratung, aber auch echten Daten. Einige dieser Erkenntnisse möchte ich gerne teilen.
1. Regelmäßigkeit ist ein Produkt
Ich sehe es immer wieder in Beratungsprojekten: drei starke Newsletter-Ausgaben, dann Funkstille. Was dann passiert? Das Vertrauen, das mühsam aufgebaut wurde, löst sich still auf. Lesende merken das nicht bewusst – aber sie merken es.
Verlässlichkeit ist kein Qualitätsmerkmal neben anderen. Sie ist die Grundbedingung, unter der alle anderen Qualitätsmerkmale überhaupt erst wirken können.
Und auch wenn ich das immer wieder in Projekten gefragt werde: "Schaffen wir wirklich regelmäßig gute Inhalte?" Ich finde eine andere Frage viel wichtiger: Welche Strukturen können wir aufbauen, um dauerhaft verlässlich gute Inhalte zu liefern?
2. 60 Prozent Öffnungsrate schlagen 10.000 passive Follower.
Meine Öffnungsrate liegt bei um die 60 Prozent. Das heißt: Jede Ausgabe erreicht verlässlich diese Menschen, Woche für Woche, und kein Algorithmus verhindert, dass meine Mail in die Timeline gespült wird.
Zum Vergleich: Wer auf LinkedIn 10.000 Follower hat, erreicht mit einem organischen Post heute durchschnittlich um die 1.000 Menschen. Tendenz sinkend. Und wer genau: Auch das wechselt ständig und hängt von vielen Faktoren ab, die ich nicht beeinflussen kann.
Aber Öffnungen sind erst der Anfang. Was zählt, ist was danach passiert: Klicken Lesende? Antworten sie? Leiten sie die Ausgabe weiter? Eine kleine Liste mit solchen, die das tun, ist wertvoller als eine große von Menschen, die vor allem schweigen.
Die relevantere Frage für euren Newsletter ist also nicht „Wie viele Abonnierende haben wir?" – sondern: „Was löst er bei denen aus, die ihn wirklich lesen?"
3. Ein Newsletter wächst nicht von alleine.
Am Anfang ist es ganz leicht: Allein durch die regelmäßige Publikation wächst der Verteiler, durch die begleitende Launchkommunikation, Weiterempfehlungen, Netzwerkeffekte. Dann kommt das Plateau. Das Wachstum verlangsamt sich spürbar, auch wenn die Qualität gleich bleibt oder sogar besser wird.
Ich verstehe diesen Moment als Einladung, die Wachstumsstrategie des Verteilers bewusst zu gestalten. Konkret: Empfehlungen aktiv einfordern. Kooperationen suchen. Den Newsletter kontinuierlich auf den eigenen Kanälen sichtbar machen.
4. Der Newsletter als Rückkanal
Eigentlich ist ein Newsletter schon allein durch die Vielzahl an Daten, die generiert werden, ein Rückkanal. Was wird geöffnet, was angeklickt, worauf geantwortet. Wer das liest, versteht seine Lesenden besser als jede Umfrage es könnte.
Zusätzlich sind aus meinem Newsletter in neun Jahren Gespräche entstanden. Kaffeeverabredungen, Kooperationen, Aufträge. Nicht weil ich das strategisch geplant hatte, sondern weil ich den Newsletter von Anfang an als Gesprächsangebot gesehen habe.
Die meisten Unternehmens-Newsletter denken trotzdem in eine Richtung: Botschaft raus, fertig. Dabei liegt genau hier das Wertvollste, was ein direkter Kanal bieten kann – echtes Feedback, ohne dass jemand einen Finger rühren muss.
Und wer dann noch eine Antwortmöglichkeit einbaut, eine Frage stellt, die ernst gemeint ist, und auf Rückmeldungen reagiert? Der hat keinen Newsletter mehr. Der hat einen Dialog.
5. KI kann den Prozess beschleunigen. Die Stimme aber nicht ersetzen.
Newsletter, die sich lesen wie automatisch generierte Zusammenfassungen, werden abbestellt. Nicht weil Lesende wissen, dass KI dahintersteckt – sondern weil sie spüren, dass niemand dahintersteckt.
KI kann beim Recherchieren helfen, beim Strukturieren, beim Variieren von Betreffzeilen. Was sie nicht kann: die Haltung, die Einordnung, den Tonfall, der über Jahre eine erkennbare Stimme aufbaut.
Genau das ist aber der Unterschied zwischen einem Newsletter und einer Pressemitteilung.
Über die Autorin

Franziska Bluhm gehört zu den renommiertesten Medien- und Digitalprofis in Deutschland, mit mehr als 18 Jahren Führungserfahrung in unterschiedlichen deutschen Medienunternehmen - über Handelsblatt und WirtschaftsWoche, Rheinische Post und BILD. Sie unterstützt und begleitet Unternehmen und Redaktionen, gibt Trainings und Coachings, moderiert und hält Vorträge.
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