Künstliche IntelligenzDigitalstrategie

Nicole Lehmann, wie begeisterst du für KI?

von Franziska Bluhm am 10.06.2026

„Den Hund kann man nicht zum Jagen tragen." Mit diesem Satz hat Nicole Lehmann beim StrateKI Breakfast Club im Juni (Newsletter abonnieren, um aktuelle Veranstaltungen mitzubekommen) vermutlich mehr über KI-Einführung gesagt als manche 80-seitige Strategie. 

Nicole Lehmann ist Digital Transformation Manager bei WAGO, Familienunternehmen aus Minden, rund 9.000 Mitarbeitende, Weltmarktführer in der Federklemmtechnik. Ihr Thema: Wie kriegt man die Belegschaft dazu, KI wirklich gut zu nutzen – von den Hochbegeisterten bis zu denen, die innerlich schon die Augen verdrehen? Als jemand, die selbst gerne mit Storytelling arbeitet, hat mich ihre Antwort gefreut: Sie erzählt jede Menge Geschichten.

Fünf Dinge, die ich mitgenommen habe:

1. Die Magie mit KI entsteht nicht von allein.

Nicole zitiert Arthur C. Clarke: Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden. Und genau dieses Magische nutzt sie bewusst. Aber – und das ist der Punkt – die Magie passiert nicht durch das Tool, sondern dort, wo Menschen ihr Wissen teilen und voneinander lernen. Ihr wichtigstes Werkzeug ist deshalb nicht das nächste Sprachmodell. Es ist Storytelling. Der Mensch braucht Poesie, nicht unbedingt eine Feature-Liste.

2. KI-Begeisterung gelingt über die persönliche Begegnung. 

Begeisterung ist ansteckend, dafür braucht es einen Raum, nicht den stummgeschalteten Video-Call. Deshalb setzt sie stark auf rollenbasierte, fachspezifische Trainings und andere Formate. Ihr Leitsatz: nicht Schiffe bauen, sondern die Sehnsucht nach dem Meer wecken.

3. Sie zeigt nicht nur die schöne Seite.

Ihre drei Hebel in der KI-Begeisterung: Aufklärung, die dunkle Seite der Macht und Begeisterung – flankiert von Operational Excellence und Governance. Heißt konkret: Diskriminierung, Gender-Gap und Halluzinationen kommen in ihren Kursen genauso vor wie die Wow-Momente. Kritisches Denken ist für sie die wichtigste Fähigkeit der Zukunft. 

4. Loslassen ist der Schlüssel zum Glück. 

Wer nicht will, findet Gründe – wer will, findet Wege. Skeptiker*innen holt sie über Reden, Hinhören und das Zurück auf die Basics. Aber sie rennt niemanden hinterher. Alle könne man ohnehin nicht erreichen. Aber durch Hartnäckigkeit immer mehr. 

5. Es muss sich rechnen – aber nicht am Anfang.

Nicole Lehmann startet bei dem, was am meisten nervt, und baut daraus Anwendungsfälle: was die Kolleg*innen sich wünschen, was machbar ist und wirtschaftlich – in dieser Reihenfolge. Die Basis dafür: Standards, ein zentrales Prompting-Playbook, saubere Daten, durchdachte Prozesse. Gerade mit Blick auf Agentic AI sei das ein Muss.

Und weil Nicole auf wirklich jede Frage eine Antwort hatte, ihre fünf Konter auf die fünf Klassiker-Einwände. 

„Das ist doch wieder neumodischer Kram – in zwei Jahren weg." – "Die Digitalisierung ist auch nicht weggegangen. Probier's einfach aus."

„Ich habe keine Zeit, mich auch noch damit zu beschäftigen." – "Du kannst damit Zeit sparen." 

„Wenn ich der KI alles beibringe, mache ich mich überflüssig." – "Du gibst nichts ab. Wer richtig gut mit einer KI arbeitet, hat einen sehr guten digitalen Assistenten, der einen schlauer macht. Den Menschen braucht es trotzdem – die Verantwortung bleibt bei uns."

„Die KI halluziniert doch nur – darauf kann ich mich nicht verlassen." – "Schlechte Prompts, schlechte Ergebnisse – und Prompten kann man lernen."

„Bei uns ist das was anderes – wir sind Industrie, kein Software-Laden." – "Gerade Industrie kann richtig gut funktionieren. Das Rennen um die großen Modelle wird Europa nicht mehr gewinnen. Aber als Land der Ingenieur*innen können wir uns auf der Applikationsebene einen echten Vorsprung erarbeiten. Das ist die eigentliche Chance."

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Über die Autorin

Franziska Bluhm

Franziska Bluhm

Telefon: 0170 – 300 3671

E-Mail: post@franziskabluhm.de

Franziska Bluhm gehört zu den renommiertesten Medien- und Digitalprofis in Deutschland, mit mehr als 18 Jahren Führungserfahrung in unterschiedlichen deutschen Medienunternehmen - über Handelsblatt und WirtschaftsWoche, Rheinische Post und BILD. Sie unterstützt und begleitet Unternehmen und Redaktionen, gibt Trainings und Coachings, moderiert und hält Vorträge.

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