Digitalstrategie
Neun wichtige Erkenntnisse aus dem Digital News Report 2026
von Franziska Bluhm am 17.06.2026

Der neue Reuters Institute Digital News Report ist da und natürlich gibt es auch in diesem Jahr einige Dinge, die ich für Journalismus und Kommunikation besonders relevant finde. Neun Befunde.
1. Plattformisierung ist der Normalfall
Über alle 48 im Digital News Report untersuchten Länder hinweg sind soziale Medien und Videonetzwerke im Durchschnitt erstmals beliebter als Fernsehen und eigene Nachrichten-Websites. In Deutschland ist das (noch) nicht so – lineares TV bleibt mit 59% Wochenreichweite vor Social Media (36%), und der Report nennt Deutschland sogar explizit als eine von nur drei Ausnahmen (zusammen mit den Niederlanden und Dänemark). Aber: Innerhalb der Online-Welt ist Social hierzulande bereits die reichweitenstärkste Quelle.
Heißt für mich: Social Media ist längst nicht mehr nur ein Unterhaltungskanal.
2. Wer als Marke nicht auf Social ist, existiert für die Jungen nicht
Bei den 18- bis 24-Jährigen ist das Bild klar: 60% nutzen Social Media für Nachrichten, für 44% sind Social-Kanäle sogar die wichtigste Nachrichtenquelle, für 17% sogar die einzige. Die gute Nachricht: Meistens werden sie ergänzend genutzt.
Heißt für mich: Für alle gilt: Sei auffindbar, wo Aufmerksamkeit ohnehin vorhanden ist. Präsenz auf Social Media ist vor allem bedeutend, wenn man Junge an die eigene Marke heranführen will.
3. WhatsApp, YouTube – und Instagram zieht an Facebook vorbei
Gehen wir tiefer rein, welche Social-Media-Kanäle am meisten genutzt werden: WhatsApp (83%), YouTube (60%), Instagram (46%) – und dann erst Facebook (44%). Für Nachrichten relevant sind WhatsApp (23%), YouTube (22%), Facebook (21%) und Instagram (17%). Bei den 18- bis 24-Jährigen sticht Instagram klar raus: 85% sind dort, 52% nutzen es auch für Nachrichten.
Heißt für mich: Schreibt Facebook nicht ab für die Nachrichtennutzung. Und wer als Medium noch keine WhatsApp-Strategie hat, ist selber schuld.
4. Watch, don't read
Global sagen inzwischen 77%, dass sie Online-Nachrichtenvideos schauen – erstmals eine Mehrheit in jedem untersuchten Markt. Die Videos laufen vor allem über YouTube (21%), dann über News-Websites und -Apps (18%) sowie Facebook und Instagram (je 14%).
Heißt für mich: Ein Video für alle Kanäle reicht nicht. Entscheidend: Das Format folgt der Plattform. Auf YouTube längere und mittellange Videos, auf Instagram, TikTok und Facebook vor allem kurze.
5. Creator erreichen die Jungen – und ergänzen Medien (zumindest in Deutschland)
13% der befragten Personen nutzen Influencer, die sich mit Nachrichten befassen, bei den 18- bis 24-Jährigen rund 30%. Wahrgenommen werden sie vor allem als unterhaltsamer und verständlicher. Aber: In Deutschland sagen nur 7%, dass Creator ihren Nachrichtenbedarf decken – international sind es 13%. Heißt: Klassische Medien haben in Deutschland noch die stärkere Direktverbindung.
Heißt für mich: Diesen Vorsprung, den klassische Medien hierzulande noch haben, muss man pflegen. Am besten, indem man sich auf seine Qualitäten konzentriert und sie mit Dingen kombiniert, die Creator besser können: Nähe und manchmal auch immer noch Verständlichkeit.
6. Newsletter & Co.: die unterschätzte Direktverbindung
Nachrichten über E-Mail-Newsletter und -Benachrichtigungen beziehen 15% – und zwar eher die Älteren (18–24: 14%, 55+: 19%). Dazu kommt: Rund 50% nutzen weiterhin den gezielten, markenbezogenen Zugang (direkt über Website/App plus markenbezogene Suche).
Heißt für mich: Ja, Newsletter sind eines meiner Lieblingsthemen. Die Daten geben folgendes her: In einer Welt geliehener Reichweite ist der eigene, direkte Kanal der stabile Anker. Owned Media ist die strategische Gegenbewegung zur Plattformabhängigkeit und funktioniert.
7. Vertrauen in Nachrichten bleibt stabil
46% der Befragten sagen, dass sie dem Großteil der Nachrichten vertrauen. 58% sind es, wenn es um die Nachrichten geht, die sie selbst nutzen. Schauen wir uns das je nach Zugangsweg an: Suchmaschinen genießen mehr Vertrauen (24%) als soziale Medien oder KI-Chatbots (je 13%). Und knapp die Hälfte sorgt sich, Fakten nicht mehr von Falschmeldungen unterscheiden zu können.
Heißt für mich: Vertrauen ist ein harter Bindungs- und Reichweitenfaktor. Wer nur auf Plattformreichweite setzt, leiht sich deren niedriges Vertrauen gleich mit.
8. Nachrichtenvermeidung: der blinde Fleck
72% der Befragten vermeiden Nachrichten zumindest gelegentlich, 15% regelmäßig. Überforderung und Dauer-Alarm treiben Menschen aus dem Thema. Erklären, einordnen, Lösungen zeigen können dagegen wirken.
Heißt für mich: Format und Ton entscheiden mit, ob Inhalte überhaupt ankommen. Sprich: Inhalt ist wichtig, die Vermittlung aber auch.
9. KI: noch klein, aber das Verhalten ist spannend
Erst 5% der Befragten haben in der vergangenen Woche einen Chatbot genutzt, um sich über Nachrichten zu informieren. Könnte man also erstmal ignorieren. Interessant wird es aber bei der Frage, wofür (Hier wurden nur 99 Fälle untersucht, aber dennoch spannend!): Wer es tut, will vor allem nachfragen (48%), Themen zusammenfassen (27%) oder verständlicher machen (28%) und Quellen einordnen (25%). Spannend ist: Wer bei einem Chatbot auf eine Quelle klickt, tut das überdurchschnittlich oft, um zu prüfen, ob die Nachricht stimmt (42%) – deutlich häufiger als bei Social Media oder Suchmaschinen.
Heißt für mich: Spannend, dass ausgerechnet KI-Chatbots genutzt werden, um Zusammenhänge und Nachrichten besser zu verstehen. Traut man das anderen Quellen nicht mehr zu? Oder ist es das Dialogische, das die Nutzung so reizvoll macht? Gleichzeitig finden sich hier auch die klassischen User Needs wieder. Was das bedeutet: Inhalte so aufbereiten, dass KI sie sauber zitieren und verlinken kann. Und gleichzeitig überlegen, ob es vielleicht einen ganz anderen Zugang zu Nachrichten braucht, als derzeit geboten wird.
Hier der gesamte Report und hier die Ergebnisse für Deutschland im Detail.
Analyse zum Digital News Report 2025
Analyse zum Digital News Report 2024
Analyse zum Digital News Report 2023
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Über die Autorin

Franziska Bluhm gehört zu den renommiertesten Medien- und Digitalprofis in Deutschland, mit mehr als 18 Jahren Führungserfahrung in unterschiedlichen deutschen Medienunternehmen - über Handelsblatt und WirtschaftsWoche, Rheinische Post und BILD. Sie unterstützt und begleitet Unternehmen und Redaktionen, gibt Trainings und Coachings, moderiert und hält Vorträge.
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