Ein Abo statt viele: unlocks Weg zu mehr Journalismus

von Franziska Bluhm am 27.05.2026

Wer sich aus mehreren Quellen informieren will, scheitert ständig an Paywalls. Swantje Dake und Peter Hornik wollen das mit ihrem Start-up unlock ändern. Ein Gespräch über Journalismus, Verlage und das Gründen als Paar.

Du hast mit deinem Partner Peter unlock gegründet. Weshalb?

Wer heute verschiedene Perspektiven sucht und sich aus mehreren Zeitungsmarken informieren will, stößt ständig auf Paywalls. Die Folge: Viele bleiben bei Überschriften und Social-Media-Kacheln – aus nachvollziehbaren Gründen, denn ein Abo für jede Quelle ist für viele nicht realistisch. Wir wollen mehr Menschen zum echten Lesen bringen, zur wirklichen Auseinandersetzung mit Inhalten. Eine Gesellschaft, die das tut, ist besser informiert – und eine besser informierte Gesellschaft ist eine stabilere.

Aber wollen die Menschen das? Social Media funktioniert ja gerade so gut, weil es schnell geht.

Wir glauben nicht, dass wir Menschen, die ohnehin nicht gerne lesen, zum Lesen bringen können. Unsere Zielgruppe sind die, die nachrichtlich interessiert sind, aber sagen: Ich will nicht so viel ausgeben, ich habe nicht so viel Zeit, ich will nicht überall meine Daten abgeben. Der Reuters Digital News Report sagt, 20 % der Deutschen, die noch nicht zahlen, wären eigentlich bereit – wenn sie das richtige Produkt haben. Außerdem: Wir starten jetzt mit Text, aber in Zukunft wird es bei unlock auch Podcasts und Videos aus deinen Themenbereichen geben.

Das unlock-Team

Swantje Dake hat mehr als 20 Jahre Journalismus-Erfahrung – in Redaktionen, als Chefredakteurin, Newsroom-Managerin und zuletzt als Digitalchefin der Medienholding Süd. Peter Hornik ist Serial Entrepreneur und baute unter anderem die E-Book-Plattform Readfy auf; mit 1stMOVER und dem Digital Innovation Hub Düsseldorf/Rheinland prägte er die Startup-Szene in NRW. Gemeinsam gründeten sie unlock – eine Plattform für Qualitätsjournalismus jenseits der Paywall.

Michael Lübke

Erzähl mal: Was bekomme ich bei unlock als Nutzerin?

Du bekommst einen Feed an Nachrichten – zusammengestellt nach eigenen Interessen, finanziert per Abo oder Einzelartikel. Lesen, hören, schauen, was wirklich relevant ist. Und weil wir wissen, dass man sich dabei leicht eine eigene Blase baut, sorgen wir regelmäßig für Inhalte, die man nicht gesucht hat – aber braucht.

Die Inhalte lizenzieren wir direkt von Verlagen, Redaktionen und Journalistinnen und Journalisten. Nicht das komplette Portfolio einer Marke, aber eine gute Auswahl.

Als ich von unlock gehört habe, war mein erster Gedanke: Blendle. Die hatten eine ähnliche Idee – und sind gescheitert. Was macht ihr anders?

Blendle ist in einer Zeit gestartet, da entwickelte sich das Thema Paid Content gerade erst, Print lief noch deutlich besser, KI war kein Thema. Medienhäuser haben damals mit dem Print-Abo und im Digitalen mit Reichweite Geld verdient. Blendle hat immer auf Einzelkauf gesetzt, und das ist als Geschäftsmodell deutlich schwieriger. Hinzu kam, dass die Verlage den Preis je Artikel selbst festlegen durften. Wie soll ein Unternehmen da planbar wirtschaften? Gleichzeitig ist Blendle immer stark von der Printausgabe ausgegangen. Menschen, die heute lesen, haben die haptische Zeitung gar nicht mehr im Kopf. Für die ist alles digital. Deswegen lassen wir die Zeitung komplett außen vor.

Und warum sollten Verlage mitmachen? Deren Sorge bei Blendle war ja damals häufig: Wir werden unsichtbar – und kannibalisieren uns selbst.

Wir kannibalisieren keine bestehenden Abos: Wer eine Marke wirklich schätzt, bleibt beim Direktabo. Wir monetarisieren jene, die ohnehin nie abonnieren würden – eine zusätzliche Einnahmequelle, keine Konkurrenz. Hinzu kommt: Die Kundschaft der meisten Verlage ist Ü50. Jüngere kennen viele Marken kaum noch und denken nicht ans digitale Abo. Genau sie wollen wir erreichen.

Ihr seid ja vor ein paar Wochen gestartet. Wie läuft es?

Ursprünglich wollten wir mit einer größeren Zahl von Medienpartnern starten. Schnell wurde klar: Wir brauchen erst etwas Greifbares – damit Leserinnen, Leser und Verlage sehen können, wie unlock funktioniert, bevor sie entscheiden. Also sind wir mit zwei ersten Partnern live gegangen. Die nächsten folgen, die Verträge sind bereits unterschrieben.

Ohne jegliches Marketing kratzen wir bereits an der Tausendermarke bei den Registrierungen. Was jetzt kommt: weitere Verlage, App-Entwicklung ab Juni, Fertigstellung Ende Sommer. Und vor allem: raus aus der Bubble. Bisher erreichen wir vor allem Menschen aus der Medienbranche. Das muss sich ändern.

Und das kostet alles Geld. Wie habt ihr das bisher finanziert?

Komplett aus eigenen Ersparnissen, sechsstellig, weil wir wirklich an diese Idee glauben. Noch verdienen wir damit kein Geld. Aber wir brauchen Funding: Eine Plattform braucht Marketingbudget. Das lässt sich nicht allein aus dem laufenden Betrieb finanzieren.

Du gründest zum ersten Mal, dein Partner Peter hat schon mehrfach gegründet. Was lernt er von dir – und du von ihm?

Er hat viel über die Verlagsbranche gelernt – die kannte er bisher gar nicht. Ich habe ihm früh gesagt: Das wird dauern, wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten. Er hat mir das nicht geglaubt. Inzwischen weiß er es. Und ich merke: Wir kommen genau deshalb weiter, ich kenne diese Welt, die Mechaniken.

Von ihm lerne ich gerade das Gegenteil: dass nicht alles fertig sein muss, bevor man rausgeht. Dass Pläne wichtig sind – aber spätestens drei Sekunden nach dem ersten Kontakt mit der Wirklichkeit überholt werden. Jeden Tag passiert etwas Unvorhergesehenes. Das gehört einfach dazu.

Wo wollt ihr Ende des Jahres stehen?

Mindestens zehn Verlage, 12.000 User – und Funding. Je mehr wir ins Marketing investieren können, desto schneller wächst die Plattform.

Und das Gründen zu zweit, als Paar – würdest du es noch mal so machen?

Ja. Und mit keinem anderen. Der Vorteil ist, du kannst rund um die Uhr über deine Idee sprechen und diskutieren. Das ist zugleich der Nachteil. Manchmal denkst du: Jetzt wäre es mal wieder schön, einen Abend lang nicht übers Business zu reden. Aber dann denkt einer von uns beiden doch wieder dran und sagt: Können wir nicht noch mal kurz über das Onboarding reden? Ich mag, wie es ist. Und ich würde es wieder so machen.

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Über die Autorin

Franziska Bluhm

Franziska Bluhm

Telefon: 0170 – 300 3671

E-Mail: post@franziskabluhm.de

Franziska Bluhm gehört zu den renommiertesten Medien- und Digitalprofis in Deutschland, mit mehr als 18 Jahren Führungserfahrung in unterschiedlichen deutschen Medienunternehmen - über Handelsblatt und WirtschaftsWoche, Rheinische Post und BILD. Sie unterstützt und begleitet Unternehmen und Redaktionen, gibt Trainings und Coachings, moderiert und hält Vorträge.

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